Mittwoch, 19. Juni 2013

Die Zukunft des Journalismus (Teil1): Wie entwickelt sich die Pressefreiheit?



Kürzlich war ich auf einer sehr interessanten Konferenz von Journalisten in Hamburg - "netzwerk recherche". Texte, die unter der Rubrik "Zukunft des Journalismus" stehen, sind nur kleine Denkanstöße, die die Konferenz mit sich brachte.

Wolfgang Bok hat in den 80ern Soziologie, Volkswirtschaft und Politikwissenschaft in Stuttgart studiert. Dann arbeitete er jahrelang als Chefredakteur der Heilbronner Stimme und als Direktor der Kommunikationsagentur Scholz & Friends. Nun ist er Lehrbeauftragter für Kommunikationsmanagement in Heilbronn und sorgt sich um die Zukunft der Pressefreiheit.

Zum Feiertag eben dieser am 3. Mai 2013 schrieb er im Cicero einen Artikel mit der Überschrift: „Generation G unterhöhlt die Innere Pressefreiheit“. Generation G - das sind wir: Greenpeace, Gender, Gerechtigkeit. Die These: Pressefreiheit werde bedroht durch die grüne Brille derjenigen, die mittlerweile die Redaktionen zersetzen und für weniger Pluralität sorgen, indem sie durch eingeschränkte Wahrnehmung nur in Freund-Feind-Bilder unterteilen. Und wer muss schon im ersten Absatz wieder herhalten? Tagesthemen-Moderator Hanns Joachim Friedrichs, der sagte: „Mache dich mit keiner Sache gemein. Auch nicht mit einer guten.

Es folgt ein polemischer Artikel, der einer gewissen Komik nicht entbehrt. Man muss Herrn Bok lassen, dass er, vielleicht aus seiner Zeit bei der PR-Agentur, das Spiel mit dem Wort versteht. Manches von dem was Bok sagt ist richtig und wichtig, wie beispielsweise, dass hinter allem „grünen Alarmismus“, wie er es nennt, auch eine mächtige Öko-und Soziallobby gibt. Anderes ist schlichtweg blödsinnig zum Beispiel:

„Jede Volontärin (und es sind überwiegend weibliche Berufsanfängerinnen mit gesellschaftskritischem Studium) muss ihre Kompetenz erst einmal dadurch beweisen, dass sie einen Winkel ausfindig macht, in dem Frauen „noch immer furchtbar benachteiligt werden“. So bestätigt sich die stark feminisierte Branche in ihrer Elendswahrnehmung selbst.“

Denn auch, wenn ich mich selbst in dieser Gruppe weiblicher Nachwuchsjournalisten wiederfinde, so habe ich noch in keiner Redaktion versucht, das Thema weibliche Benachteiligung unterzubringen und die Elendswahrnehmung lässt sich leicht mit den Zahlen, die ProQuote erhoben hat, belegen.

Interessant ist allerdings dieser Friedrichs-Satz, der auch in jedem „guten“ journalistischen Handbuch zu lesen ist. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt dagegen Silke Burmeister, die unter anderem für Zeit und Spiegel schreibt und in der taz in der wöchentlichen Kolumne „Die Kriegsreporterin“ von der Medienfront berichtet.  In ihrer Rede zur Lage des Journalismus auf der Jahreskonferenz von „netzwerk recherche“ vergangenes Wochenende sagte sie:

„[…]Aber, woran hat Thomas Tuma jüngst erinnert, wir dürfen uns nicht mit einer Sache gemein machen. Bloß nicht für etwas kämpfen, sich einsetzen an das man glaubt. Schon gar nicht für ein demokratisches Grundrecht wie freie Medien oder Gleichberechtigung. Das kommt für einen Mann vom Spiegel früher oder später schon von allein. Der Forderung auf Engagement zu verzichten, geht nicht nur die naive Annahme voraus, es gäbe eine objektive Themenwahl, die Abspaltung des Ichs von dem was man schreibt  - sie ist auch Bullshit. Warum soll ich mich nicht für eine Sache einsetzen? Warum nicht zu einer Sache Position beziehen, wenn deutlich ist, wer sich warum zu einer Sache bekennt? Ist es nicht genau das, was die Medien so langweilig und austauschbar macht? Dass sie für nichts stehen? Dass keine Haltung, keine Position erkennbar ist? Dass sie von Leuten gemacht werden, die Schiss in der Hose haben? Leute, die sich nicht trauen mal in die vollen zu gehen, sich zu etwas bekennen und stattdessen den grauen breiten Konsens suchen, auf dass sie es sich mit niemandem verderben[…]“

Diese beiden Menschen und Meinungen würde ich gern an einen Tisch setzen. Es würde ein interessantes Gespräch entstehen.