Mittwoch, 22. Mai 2013

Abercrombie erweist uns einen Dienst



Sicher hat Mike Jeffries es nur gut gemeint. Er dachte daran, dass 34 Prozent der Amerikaner im Jahr 2009 als fettleibig galten und er wusste, dass auch in Europa die Zahlen nicht viel anders aussehen. In Deutschland sind 53 Prozent der Frauen nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts 2012 als übergewichtig einzustufen.







Deswegen sorgte der Firmenchef von Abercrombie & Fitch dafür, dass seine Mode den Dicken nicht passt und veranlasste, dass das Label nur noch Kleidung bis zur Größe L für Frauen führt. Außerdem ist er voller Hoffnung, dass nur hübsche, coole Kinder sich seine überteuerte Marke leisten können. Der Focus stellte die berechtigte Frage, ob er denn selbst in dieses Klientel passen würde. Mit seinem beständigen Kampf, um Schönheit passt Mike Jeffries durch viel Chirurgie mittlerweile eher ins Gruselkabinett, als in die Modewelt.

Mike Jeffries fühlt sich vollkommen falsch verstanden. While I believe this 7 year old, resurrected quote has been taken out of context, I sincerely regret that my choice of words was interpreted in a manner that has caused offense”, schreibt er auf Facebook. Und 3880 Menschen gefällt das.  Manch andere lassen sich nicht so schnell beruhigen und fragen im Social Network zurück: How can ‘we don't like fat people working in our stores or wearing our clothes’ be taken out of context? Seems pretty clear to me.“

Ein anderes Extrem verfolgt dagegen Grünen-Politikerin Marianne Burkert-Eulitz. Sie war empört darüber, dass bei einem Schönheitswettbewerb tatsächlich nur schöne Menschen zugelassen würden. „Jugendliche, die nicht groß und schlank sind, werden ausgegrenzt. Und Menschen ohne deutschen Pass auch. Das entspricht doch nicht dem Menschenbild.“ Dabei „werden Schönheitsideale propagiert, die längst überholt sind.“ Was sie damit meint, ist nicht klar. Sie selbst ist klein und dick und fühlt sich damit wohl, denn sie sei sportlich.

Fest steht, das existierende Schönheitsideal sind keine Rubens-Frauen. Es ist auch nicht mehr die vornehme Blässe oder die weit ausgestellten Hüften. Das wären Schönheitsideale, die tatsächlich überholt sind. Gegen die Size Zero Models, die auf den Laufstegen die Welt umrunden, gibt es schon seit Jahren berechtigten Protest, aber gegen ein schönes Mädchen mit einem schlanken, sportlichen Körper hat keine westliche Gesellschaft und auch kein Arzt etwas einzuwenden. Der Vorschlag bei Schönheitswettbewerben nun auch weniger hübsche Menschen zuzulassen, ist also vollkommen abstrus. Wir werden bei zukünftigen Mathe-Olympiaden in der Schule auch niemanden mitnehmen, der nicht das Einmaleins beherrscht, Buchstabierwettbewerbe werden nie Schreibschwache gewinnen und bei Schönheitswettbewerben kann eben nicht Quasimodo ausgezeichnet werden.

Man mag über Mike Jeffries denken, was man will, aber mit seiner snobistischen und menschlich abstoßenden Aussage, tut er der Gesellschaft vielleicht sogar gut. Wenn wir allen Zynismus beiseitelassen, dann ist die Toleranz nach der A&F-Konkurrent American Eagle mit Größen bis zu XXL und Marianne Burkert-Eulitz verlangen, nicht zuträglich für eine gesunde und fitte Gesellschaft. Sie spielt in die Karten der Junkfood-Industrie. Es mag abwegig sein, aber vielleicht sterben durch die Intoleranz von Mike Jeffries in Zukunft ein paar Prozentpunkte weniger an Bluthochdruck oder Diabetes, weil sie auch zu dem propagierten Schönheitsideal gehören wollen und dafür abspecken.